Gesunder Start ins Hundeleben: Diese Impfungen sollte Ihr Welpe erhalten
Zur sogenannten Grundimmunisierung zählen alle Impfungen, die Ihr Vierbeiner in seinen ersten zwei Lebensjahren bekommt. Meist erhalten Welpen bereits noch beim Züchter ihren allerersten Pieks – das können Sie im EU-Heimtierpass kontrollieren, in dem alle Impfungen vom Tierarzt dokumentiert werden.
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Vor der Impfung untersucht der Tierarzt den Welpen und schaut, ob dieser gesund ist und eine Impfung gut verkraftet. Außerdem können bei der Untersuchung angeborene Krankheiten, wie z.B. ein Herzfehler, frühzeitig auffallen.
Am besten lernt Ihr kleiner Knirps den Tierarzt in einer gemütlichen, entspannten Atmosphäre kennen. Verbinden Sie die Impftermine und Tierarzt-Besuche von vorneherein mit etwas Positivem für Ihren Hund und belohnen Sie ihn ausgiebig, vor allem, wenn er entspannt ist. Lenken Sie Ihren Welpen  auch während der Impfung mit tollen Leckereien ab – dann wird er den Pieks vielleicht überhaupt nicht merken. Bleiben Sie selbst ruhig und vermeiden Sie Hektik. Ihr Welpe wird spüren, wenn Sie aufgeregt sind - das überträgt sich auf ihn.
Tipp: Besuchen Sie die Tierarzt-Praxis auch einfach so, ohne Termin, ein paar Mal. So lernt ihr Welpe schnell, dass dort nicht jedes Mal eine Prozedur ansteht, er an diesem Ort aber dennoch immer belohnt wird. So wird er hoffentlich auch zukünftig gerne und entspannt wieder kommen! 


Core-Impfungen - Gegen diese Krankheiten sollte Ihr Welpe in jedem Fall geschützt sein

Zu den sogenannten Core-Impfungen zählen vier Infektionskrankheiten: Parvovirose, Staupe, Tollwut und Leptospirose.
Mit sechs bis acht Lebenswochen kann die erste Impfung gegen Parvovirose und Staupe erfolgen. Für die Leptospirose-Impfung, die ab der achten Woche geimpft werden kann, steht nach vier Wochen die Auffrischungsspritze an. Danach wird der Impfschutz jährlich erneuert. Auch für Parvovirose und Staupe ist eine Auffrischung vier Wochen nach der ersten Impfung nötig. Ab der zwölften Lebenswoche kann außerdem auch die erste Tollwut-Impfung stattfinden.

Parvovirose

Impfempfehlung:
·         Erstmalig mit 8 Lebenswochen
·         Auffrischung mit 12 Wochen, 16 Wochen und 15 Monaten
·         Wiederholungsimpfungen alle 3 Jahre
Die Parvovirose wird sehr schnell über Kot und damit verschmutzte Gegenstände übertragen. Infizierte Tiere leiden insbesondere unter schwerem blutigem Durchfall und einem Mangel an weißen Blutkörperchen. Die Behandlung dieser Krankheit dauert lange, ist sehr kostspielig und viele Welpen verlieren trotz Therapie ihr Leben – besonders dann, wenn die Parvovirose nicht rechtzeitig oder nicht richtig behandelt wird.
Damit der Welpe in seinen ersten Lebenswochen vor der Erkrankung geschützt ist, müssen über die Muttermilch sogenannte Antikörper aufgenommen werden. Diese Antikörper werden jedoch mit der Zeit abgebaut, sodass der Schutz mit der Impfung des Welpen aufgefrischt werden muss.
Die Parvovirose kommt oft in den Massenzuchten Osteuropas vor, in deren Zuchtstätten nicht ordnungsgemäß gegen die Krankheit geimpft wird.

Staupe

Impfempfehlung:
·         Erstmalig mit 8 Lebenswochen
·         Auffrischung mit 12 Wochen, 16 Wochen und 15 Monaten
·         Wiederholungsimpfungen alle 3 Jahre
Der Erreger der Staupe ist mit dem Masernvirus dicht verwandt. Übertragen wird die Staupe durch direkten Kontakt mit einem infizierten Hund oder anderen Tieren. Die Erkrankung betrifft in erster Linie die Lunge, den Magen-Darm-Trakt und das Gehirn. Die Entzündungen dieser Organe enden oft tödlich. Tiere, die die Krankheit überwinden können, haben meist ihr ganzes Leben lang einen sogenannten Staupetick – das ist eine Störung des zentralen Nervensystems.
Geschützt sein sollten vor allem Jagdhunde und Vierbeiner, die in Gebiete reisen, in denen die Krankheit aktuell noch auftritt. Ebenso darf bei Zuchthündinnen nicht auf diese Impfung verzichtet werden.
Achtung: Hier angegebene Impfzeiträume beziehen sich auf die Leitlinie zur Impfung von Kleintieren der Stiko Vet. Herstellerangaben von verschiedenen Impfstofffirmen können variieren.

Leptospirose

Impfempfehlung:
·         Erstmalig mit 8 Lebenswochen
·         Auffrischung mit 12 Wochen und 15 Monaten
·         Jährliche Wiederholungsimpfungen
Dieses Bakterium wird in erster Linie durch Ratten und Mäuse verbreitet. Auch Wild- und Nutztiere und sogar Menschen können erkranken. Besonders Urin enthält viele Erreger und dient daher als große Übertragungsquelle. Hunde infizieren sich mit Leptospiren vor allem durch kontaminiertes Wasser. Prophylaktisch sollten Hunde daher aus warmen, langsam fließenden oder stehenden Gewässern nicht trinken oder darin baden. Weiterhin können die Bakterien auch über einen Biss, infiziertes Fleisch oder im Mutterleib auf die Welpen übertragen werden.
Leptospiren siedeln sich an mehreren Organsystemen an, das Immunsystem kann dabei die Bakterien in den meisten Organen bekämpfen. Leptospiren können jedoch in den Nieren überleben. Folglich zeigt sich die Krankheit in der Regel in Form von Leber- und Nierenfunktionsstörungen, doch auch der Atmungstrakt und die Blutgerinnung können schwer betroffen sein. An Leptospiren erkrankte Hunde sind in der Regel Intensivpatienten.
Tückisch: Auch wenn Ihr Vierbeiner keinerlei Symptome zeigt, kann er nach einer Infektion mit Leptospiren die Bakterien mit dem Urin ausscheiden und somit eine Infektionsquelle für Mensch und Tier darstellen.
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Tollwut 

Impfempfehlung:
·         Erstmalig mit 12 Lebenswochen
·         Auffrischung je nach Herstellerangabe (ca. 2-3 Jahre)
·         für Reisen in Tollwutgebiete sollte öfter geimpft werden
Das Tollwut-Virus wird über den Speichel von bereits erkrankten Tieren übertragen. Meist geschieht dies durch einen Biss oder den Kontakt zu Wunden. Der Erreger wandert langsam über das Nervensystem bis in das Gehirn. Erste Symptome zeigen sich meist nach zwei bis acht Wochen. Es kommt typischerweise zu einer Verhaltensänderung. Meist werden erkrankte Tiere aggressiv, die Tollwut kann sich aber auch in Form von Magen-Darm-Symptomen oder Lähmungserscheinungen offenbaren und endet so ziemlich ohne Ausnahme mit dem Tod.
Wussten Sie, dass die Impfung für die Tollwut in unseren Gesetzen verankert ist? Aktuell wird der Sinn der Tollwutimpfung diskutiert, da alle Länder rund um Deutschland quasi tollwutfrei sind. Tritt ein Fall von Tollwut auf, muss das sofort angezeigt werden. Tollwutverdächtige und ungeimpfte Tiere werden auf Anordnung getötet, da Therapieversuche bei Tieren strikt verboten sind. Daher sind geimpfte Hunde im Falle des Verdachts bessergestellt. Auf die Impfung sollte deswegen aktuell nicht verzichtet werden. Übrigens schützt die Tollwutimpfung auch gegen die europäischen Erreger der Fledermaus-Tollwut.
Seit 2008 gilt Deutschland offiziell als tollwutfrei. Die Gefahr einer Einschleppung ist hauptsächlich durch die Missachtung von Einfuhrbestimmungen für Kleintiere gegeben. Für Reisen ins Ausland bzw. einen Tierimport aus dem Ausland ist die Tollwutimpfung verpflichtend. Für Tiere, die von außerhalb der Europäischen Union stammen, ist sogar eine Kontrolle des Impftiters nötig. Sollen Hunde in Gebiete reisen, in denen die Tollwut noch vorkommt, sollte ein höherer Impftiter erreicht werden. Hundehalter sollten sich bei einer Auslandsreise daher beim Tierarzt über das dafür nötige Impfintervall informieren.

Achtung: Hier angegebene Impfzeiträume beziehen sich auf die Leitlinie zur Impfung von Kleintieren der Stiko Vet. Herstellerangaben von verschiedenen Impfstofffirmen können variieren.

Weitere Impfungen, die für Ihren Hund möglicherweise empfehlenswert sind

Neben den Core-Impfungen gibt es weitere Impfungen, die individuell ratsam sein können. Beispielsweise wenn Sie mit Ihrem Welpen eine Reise ins Ausland unternehmen möchten oder wenn Ihr Welpe mit vielen Artgenossen zusammenkommt.
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Weitere Impfungen ab 6 bis 8 Wochen

Ab sechs bis acht Lebenswochen kann Ihr Liebling gegen folgende Krankheiten geimpft werden:

Zwingerhusten

Beim Zwingerhusten treffen mehrere Viren und Bakterien aufeinander, die gemeinsam die oberen Atemwege auf Trab halten. Bei Welpen kann es besonders durch Stress und Unsauberkeit in  Mehrhundehaushalten zu einer heftigen Erkrankung kommen. Der Zwingerhusten äußert sich in erhöhter Körpertemperatur, trockenem Husten, einer Entzündung der Atemwege und möglicherweise auch in einer eitrigen Bindehautentzündung. Die Erreger sind in der ganzen Umwelt verbreitet, die Erkrankung spielt aber hauptsächlich eine Rolle an Orten, an denen viele Vierbeiner aufeinandertreffen, z.B. auf einer Ausstellung, einer Hundesportveranstaltung, in Zuchtstätten, Tierheimen oder Tierpensionen. Die Impfung gegen den Zwingerhusten-Komplex ist folglich empfehlenswert, wenn Ihr kleiner Racker oft in Kontakt mit anderen Artgenossen steht. Die Impfung kann nicht allen Krankheitserregern des Zwingerhustens vorbeugen. Dennoch schwächt die Impfung die Symptome bei einer Ansteckung deutlich ab.

Bordetellen

Diese Bakterien zählen zu dem Erregerkomplex des Zwingerhustens. Bordetellen verursachen insbesondere Husten mit Würgen, während der Vierbeiner abgesehen davon gesund erscheint. Möglicherweise äußert sich die Erkrankung in einem wässrigen Ausfluss aus der Nase. In besonderen Fällen kann es zu schweren Entzündungen der Atemwege mit Fieber kommen. Im Gegensatz zu anderen Impfungen wird diese Impfung in die Nase gesprüht. Genauso wie die Zwingerhusten-Impfung, empfiehlt sich die Impfung gegen Bordetellen bei Vierbeinern, die Kontakt mit mehreren Artgenossen haben.

Hepatitis contagiosa canis 

Das Virus, das eine Entzündung der Leber zur Folge hat, kommt heutzutage in Deutschland nicht mehr wirklich vor. Der Großteil der Hunde ist durch eine Impfung geschützt, es wird davon ausgegangen, dass diese flächendeckende Impfung der Vierbeiner zum Verschwinden der Erkrankung geführt hat. In den östlichen Ländern Europas kommt die ansteckende Leberentzündung allerdings noch vor. Der Erreger wird durch Fäkalien übertragen, Symptome äußern sich in Form von Durchfall und Gelbsucht. Selten kann das Virus auch eine Gehirnentzündung verursachen.
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Weitere Impfungen ab dem 6. Lebensmonat

Möchten Sie z.B. mit Ihrem Hund ins Ausland reisen, können Sie Ihren Welpe ab dem sechsten Lebensmonat zusätzlich gegen folgende Krankheiten schützen lassen:

Babesiose

Die der Malaria ähnliche Erkrankung wird durch Zecken übertragen. Durch den Klimawandel und Reisetourismus breiten sich die Babesien konsekutiv in Europa und Deutschland aus. Die Erreger zerstören die roten Blutkörperchen. Dadurch können schwere Erkrankungen auftreten, die ohne die richtige Therapie oft mit dem Tod enden. Vor allem Hunde, die mit dem Erreger vorher nie in Kontakt gekommen sind, sind hierbei betroffen. Aktuell ist der Impfstoff gegen die Bösewichte nur in der Schweiz und in Frankreich erhältlich. Die Impfung schützt zwar nicht vor der Infektion mit den Babesien, sie kann jedoch die Symptome deutlich abmildern. Wichtig ist in erster Linie ein wirksamer Zeckenschutz mithilfe von Präparaten vom Tierarzt.

Leishmaniose 

Insbesondere die Länder rund um das Mittelmeer sind von Leishmanien besonders betroffen. Die Erreger werden in erster Linie durch Sandmücken übertragen, daher besteht die Gefahr einer Infektion vor allem während der Dämmerung und nachts. Diverse Organe können von den Leishmanien befallen werden, wobei es mehrere Monate bis Jahre dauern kann, bis sich die Krankheit äußert Besonders die Haut und die Nieren werden von den Leishmanien in Mitleidenschaft gezogen, aber auch Auge und Gelenke haben unter den Erregern zu kämpfen und können sich schwer entzünden. Typisch sind auch Veränderungen der Krallen und die Aufhellung im Bereich von Maul und Nase.
Leider können die Leishmanien durch Medikamente nicht vollständig eliminiert werden können. Für den Vierbeiner bedeutet das eine lebenslange Therapie mit teuren Medikamenten. Falls Sie Ihren Welpen mit auf Reisen nehmen wollten, sollten Sie ihn vor Sandmücken schützen und keine abendlichen oder nächtlichen Spaziergänge unternehmen. Nachts kann Moskitogaze vor den lästigen Mücken schützen. Eine Impfung gegen Leishmanien schützt zwar nicht vor einer Infektion, allerdings mindert sie das Risiko vor einer offensichtlichen Erkrankung.

Die meisten Krankheiten kommen in Deutschland selten vor. Warum sollten Sie trotzdem den Hund impfen?

Solange eine bestimmte Hundepopulation geimpft ist, kann der Schutz vor Erkrankungen gewährleistet werden. Das heißt, nicht-geimpfte Tiere profitieren nur von dem "Herdenschutz" durch die geimpften Tiere. Außerdem sind die aufgeführten Krankheiten zum Teil nicht heilbar oder haben schwere Folgeschäden oder gar den Tod des Vierbeiners zu Folge. Eine Unterbrechung des flächendeckenden Impfschutzes fördert die Wiedereinschleppung von Krankheiten, die aktuell in Deutschland nicht mehr auftreten. Dabei ist nicht nur der eigene ungeimpfte Hund gefährdet, sondern auch andere Zwei- und Vierbeiner. Manche Krankheiten wie z.B. Leptospirose oder Tollwut können auch uns Menschen betreffen. Weiterhin können manche Welpen aufgrund von Krankheiten nicht sofort geimpft werden. Diese Vierbeiner schweben in einer erhöhten Gefahr für eine schwere Erkrankung, wenn die Hundepopulation nicht flächendeckend geimpft ist.
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Was passiert, wenn der Impftermin für den Hund verpasst wird?

Bitten Sie in diesem Fall Ihren Tierarzt um Rat. Eine neue Grundimmunisierung kann ab einem bestimmten Verzug des Impftermins vonnöten sein. Für manche Impfungen kann der Impftiter - das ist die Anzahl der Antikörper, die vor der Infektionskrankheit schützen - kontrolliert werden. Die Impfung wird dann nur aufgefrischt, wenn der zu wenige Antikörper vorhanden sind.
Ihr Tierarzt klärt Sie zum Thema Impfungen umfassend auf und erstellt ein individuelles Impfschema für Ihren Welpen.
Wir wünschen Ihnen in jedem Fall eine entspannte Impfsprechstunde mit Ihrem kleinen Vierbeiner.