Die Ernährung des Hundes

Von Hunden und Wölfen

Der Haushund (Canis lupus familiaris) stammt vom Wolf (Canis lupus) ab. Beide gehören zur zoologischen Ordnung der Carnivoren. Wörtlich übersetzt heißt Carnivor "Fleischfresser", obwohl sogar auch Tiere dazu zählen, die nur pflanzliche Nahrung aufnehmen (z. B. einige Bärenarten). Daher wird Carnivor heute freier mit "Raubtier" übersetzt, also wehrhafte Tiere mit charakteristischem Gebiss und Körperbau (u. a. Merkmalen). Alleine dass Hunde zu den Carnivoren zählen heißt also noch nicht, dass sie reine Fleischfresser sind.

Desweiteren wird oft der Wolf bzw. dessen Ernährungsweise als Beleg dafür genommen, dass Hunde eigentlich nur Fleisch bräuchten, um ausgewogen ernährt zu werden. Diese Sichtweise ist aus zwei Gründen zu kritisieren und zu hinterfragen:

Zum einen sind auch Wölfe keine reinen Fleischfresser. Zwar jagen und reißen sie Beutetiere, so dass ihre Ernährung einen hohen Anteil tierischer Proteine aus der Skelettmuskulatur ihrer Beute aufweist. Dennoch fressen auch Wölfe pflanzliche Nahrung wie Früchte, Beeren, Pilze usw. Ihr Verdauungsapparat und ihre Enzymausstattung sind neben der Fleischverwertung auch auf die Umsetzung dieser Nahrungsbestandteile ausgelegt. Der Organismus des Wolfs ist in der Lage sich mühelos an eine hohe Zufuhr von Kohlenhydraten anzupassen, indem z. B. bestimmte dafür wichtige Enzyme vermehrt produziert werden.

Der zweite Punkt, den man beachten sollte, ist der, dass sich der Hund im Laufe der Domestikation (Zähmung) ein Stück weit vom Wolf entfernt hat. Die Domestikation des Hundes, also die Entwicklung vom Wolf zum heutigen Hund, ist ein (immer noch andauernder) Prozess, der sich über viele Jahrtausende erstreckt. Wie viele Jahre genau, darüber herrscht auch unter Kynologen (Hundeforschern) Uneinigkeit. Unbestritten ist jedoch, dass sich die Hunde im Laufe der Jahre immer mehr an das Leben in der Obhut des Menschen angepasst haben. Viele Verhaltensweisen, die für Wölfe essentiell sind, verloren so im Laufe der Domestikation ihre Gültigkeit. So z. B. die Notwendigkeit der (selbstorganisierten) Jagd zur Futterbeschaffung. Es ist einleuchtend, dass in der Folge auch verschiedene körperliche und verhaltensbezogene Veränderungen stattgefunden haben, so dass sich Wolf und Hund heute in einigen Punkten unterscheiden, z. B. in der Größe des Gehirns und der Leistung der Sinnesorgane.

Nicht nur die körperlichen Unterschiede sind erwähnenswert. Auch das Sozialverhalten der Haushunde ist ein anderes. So wird die Haushündin in der Regel zweimal im Jahr läufig (paarungsbereit), während ein weiblicher Wolf nur einmal jährlich Junge bekommt. Ebenso ist die Organisation des Wolfsrudels für deren Überleben essentiell - besonders für die erfolgreiche Ausübung der Jagd. Ein Haushund braucht dagegen keine komplexe Rudelstruktur, um sich erfolgreich ernähren zu können. Die Kommunikation zwischen Hunden ist daher deutlich weniger vielfältig. Es gibt daher gewisse Unterschiede in der Ernährung von Hunden und Wölfen, besonders was den Energiebedarf angeht.

 

Die Ernährung des Hundes im Hinblick auf dessen Anatomie und Physiologie

Obwohl es immer wieder so dargestellt wird, ist auch der direkte Vorfahre unserer Haushunde, der Wolf, kein reiner Fleischfresser. Vielmehr ernährt er sich von allem Essbaren, was er auftreiben kann (z. B. auch Früchten, Pilzen, Aas etc.). Er zählt damit ernährungsphysiologisch zu den Omnivoren (Allesfressern), deren Anatomie und Stoffwechsel auf ein vielfältiges Nahrungsangebot ausgelegt ist.

Auch beim Hund sind viele Merkmale vorhanden, die hinweisend für diese Ernährungsweise sind. Bereits in der Maulhöhle wird deutlich, dass die Backenzähne der Hunde Furchen aufweisen, wie sie charakteristisch für Tiere sind, die pflanzliche Nahrung zerkleinern müssen. Hunde können zusätzlich ihre Kiefer gegeneinander bewegen, so dass Mahlbewegungen möglich sind. Bereits in der Maulhöhle beginnt beim Hund die Verdauung von Zuckern durch das Enzym „Amylase“ im Speichel, das auch bei anderen Allesfressern (wie beispielsweise dem Menschen) vorhanden ist. Bei der Katze, die als reiner Fleischfresser gelten kann, fehlt dieses Enzym.

Auch die Länge des Magen-Darm-Trakts einer Tierart gibt häufig Aufschluss über die natürliche Ernährung. Das hat damit zu tun, dass tierische Nährstoffe eher leicht verdaulich sind, während pflanzliche Nährstoffe eher schwer verdaulich sind. Für den Darm-Trakt bedeutet das, dass je mehr pflanzliche Nahrung aufgenommen wird, desto länger ist prinzipiell der Darm (damit der Organismus mehr Zeit hat, die Nährstoffe herauszulösen). Bei reinen Fleischfressern, wie z. B. der Katze, ist er sehr kurz. Der Hundedarm liegt, so wie der anderer Allesfresser, im mittleren Bereich.

Der Stoffwechsel reiner Fleischfresser ist meistens speziell an die dauerhafte Aufnahme großer Proteinmengen ausgelegt. Und zwar so stark, dass der Organismus irgendwann im Laufe der Evolution die Fähigkeit verliert, bestimmte wichtige Stoffe im Stoffwechsel aus Vorstufen herzustellen. Dafür können sie Proteine und tierische Fette effizienter verarbeiten. Allesfresser, wie der Hund, sind nicht so spezialisiert, können sich dafür aber viel besser an ganz unterschiedliche Nahrung anpassen, beispielsweise indem sie dafür notwendige Enzyme vermehrt herstellen. Diese Anpassungsfähigkeit ist unter Wissenschaftlern einer der wichtigsten Hinweise auf die Einordnung des Hundes als Allesfresser.

In der tiermedizinischen Ernährungsphysiologie ist die Erforschung des Nährstoffbedarfs unserer Haushunde weit fortgeschritten. Von vielen Nahrungsbestandteilen ist bekannt, wie viel ein Hund davon in seinen verschiedenen Entwicklungsstufen benötigt. Analysiert man dagegen den Nährstoffgehalt und die Zusammensetzung von reinem Fleisch, so fällt auf, dass es als Einzelfutter nicht zur ausgewogenen Ernährung eines Hundes geeignet ist, sondern die optimale Versorgung erst durch eine Kombination von Fleisch und pflanzlicher Nahrung erreicht werden kann.


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